Bayer rechnet mit stabilen Gewinnen - Verschuldung steigt durch Rechtsstreitigkeiten

10.03.2026


Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer rechnet für das Jahr 2026 mit einer in etwa stabilen Geschäftsentwicklung. Basierend auf den Wechselkursen Ende 2025 kalkuliert das Unternehmen mit einem Umsatz von 44 bis 46 Milliarden Euro sowie einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 9,1 bis 9,6 Milliarden Euro. Damit wäre beim Umsatz bestenfalls ein kleines Plus möglich, während das operative Ergebnis leicht sinken könnte. Höhere Ergebnisbeiträge aus der Agrarsparte und dem Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten (Consumer Health) sollen ein geringeres Ergebnis der Pharmasparte kompensieren, wie Finanzvorstand Wolfgang Nickl erklärte.

Im Fokus stehen jedoch weiterhin die milliardenteuren Rechtsstreitigkeiten um Glyphosat und PCB in den USA. Bayer versucht, mit einem Mitte Februar angekündigten, milliardenschweren Sammelvergleich das Thema Glyphosat-Klagen weitgehend vom Tisch zu bekommen. Ein US-Gericht hat diesen Vergleich am Mittwoch vorläufig genehmigt. Allerdings müssen nun noch genügend Kläger zustimmen – im Grunde fast alle, wie Bayer-Chef Bill Anderson betonte. Eine endgültige Gerichtsentscheidung wird in Kürze erwartet, könnte aber durch eine mögliche Entscheidung des US-Supreme-Courts im Juni beeinflusst werden.

Finanziell belasten die Rechtsstreitigkeiten den Konzern erheblich. Die Rückstellungen und Verbindlichkeiten für Rechtsstreitigkeiten stiegen per Ende vergangenen Jahres auf 11,8 Milliarden Euro, der Großteil davon für Glyphosat. Da für den Vergleich, sollte er angenommen werden, schon 2026 hohe Kosten anfallen dürften, wird Bayer in diesem Jahr voraussichtlich Geld verbrennen. Der freie Finanzmittelfluss (Free Cashflow) soll sich auf minus 2,5 bis minus 1,5 Milliarden Euro belaufen, wobei Auszahlungen für Rechtsstreitigkeiten von rund 5 Milliarden Euro berücksichtigt sind. Die Nettofinanzverschuldung dürfte daher bis zum Jahresende auf 32 bis 33 Milliarden Euro steigen, nachdem sie sich 2025 auf gut 29,8 Milliarden Euro verbessert hatte.

Neben den Glyphosat-Klagen hat Bayer auch Vergleiche zu PCB-Rechtsstreitigkeiten getroffen. Das Unternehmen verglich sich Anfang 2026 zu acht verbliebenen PCB-Urteilen am Sky Valley Education Center im US-Bundesstaat Washington, wo es um Belastungen durch die seit Jahrzehnten verbotene Umweltchemikalie PCB geht. Zudem legte Bayer jüngst Klagen wegen angeblicher Umweltverschmutzungen durch PCB mit den US-Bundesstaaten Illinois und West Virginia bei. Trotz dieser Herausforderungen bleibt die Prognose für 2026 stabil, wobei die Unsicherheiten um die Glyphosat-Klagen weiterhin ein zentrales Risiko darstellen.

UBS macht Bayer zum Kauf: Rechtsrisiken sinken, Pharmageschäft überrascht positiv

17.03.2026


Die Schweizer Großbank UBS setzt bei Bayer wieder auf steigende Kurse. Analyst Matthew Weston stufte die Aktie des Agrarchemie- und Pharmakonzerns von „Neutral“ auf „Buy“ hoch und erhöhte das Kursziel von 48 auf 52 Euro. Ausgehend vom aktuellen Kurs leite sich daraus ein Aufwärtspotenzial von rund 30 Prozent ab. Trotz unverändert bestehender Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Glyphosat-Komplex hält UBS an einem Konglomeratsabschlag von 25 Prozent auf die Bewertung fest, sieht inzwischen aber ein „Übergewicht von Chancen“.

Zentrale Grundlage der Neubewertung ist der Fortschritt im US-Glyphosat-Rechtsstreit. Bayer habe eine vorläufige Genehmigung für einen Vergleich erhalten, heißt es in der Studie. Eine endgültige Einigung könnte aus Sicht Westons wesentliche Rechtsrisiken aus dem Weg räumen und den langjährigen Konflikt um den Unkrautvernichter beilegen. Im Mittelpunkt steht dabei die sogenannte Opt-out-Frist, innerhalb derer Kläger die Teilnahme an dem Vergleich ablehnen können. Diese Frist endet am 4. Juni und liegt damit nach der für den 27. April angesetzten mündlichen Verhandlung vor dem Obersten US-Gericht, aber voraussichtlich noch vor einer Entscheidung des Supreme Court, die für Ende Juni erwartet wird.

UBS verweist darauf, dass die auf 90 Tage angesetzte Opt-out-Periode kürzer ausfällt als ursprünglich angenommen. Das könnte nach Einschätzung des Analysten die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich ein Großteil der Klägerseite für den Vergleich entscheidet. Eine Bestätigung des Pakets würde aus Sicht der Bank den Bewertungsabschlag verringern helfen, der die Aktie seit Jahren belastet. Die jüngste Kursschwäche wertet Weston vor diesem Hintergrund als Einstiegsgelegenheit.

Abseits des Rechtsstreits attestiert UBS dem operativen Geschäft von Bayer eine robuste Verfassung. Im Pharmasegment übertreffen die Wachstumstreiber Nubeqa und Kerendia laut der Analyse weiterhin die Erwartungen des Marktes. Hinzu kommt eine Pipeline mit neuen Produkten wie dem Gerinnungshemmer Asundexian und dem Menopause-Medikament Lynkuet, die vor der Markteinführung stehen und mittelfristig relevante Wachstumsbeiträge liefern könnten. In der Agrarsparte rechnet Weston zwar damit, dass 2026 ein Übergangsjahr wird, bleibt aber zuversichtlich, dass innovative Produkteinführungen das Wachstum stützen und Spielraum für Margenverbesserungen eröffnen.