Blockierte Straße von Hormus: Chemiebranche warnt vor Rohstoffengpässen

16.03.2026


Die ohnehin angeschlagene deutsche Chemieindustrie sieht sich durch den Krieg im Iran mit zusätzlichen Belastungen konfrontiert und zieht die Reißleine beim Ausblick. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hat seine Prognose für das laufende Jahr beziehungsweise für 2026 zurückgenommen. Zuletzt war der Verband noch von einer stagnierenden Produktion in der chemisch-pharmazeutischen Industrie und einem Rückgang der reinen Chemieproduktion um rund ein Prozent ausgegangen, was bei sinkenden Preisen ein Umsatzminus von etwa zwei Prozent bedeutet hätte. Angesichts wachsender Unsicherheiten sei eine verlässliche Vorausschau nicht mehr möglich, hieß es in Frankfurt.

Auslöser der neuen Nervosität ist die Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Seerouten für den globalen Rohstoff- und Energiehandel. Der Konflikt im Iran beeinträchtigt nach Einschätzung des VCI längst nicht nur Öl- und Gaslieferungen. Verbandschef Wolfgang Große Entrup warnt vor „ernsten, zunehmenden Versorgungsengpässen“ bei zentralen Vorprodukten wie Ammoniak, Phosphat, Helium und Schwefel. Bereits jetzt gebe es erste Hinweise auf Störungen in internationalen Lieferketten, die sich bei einer längeren Dauer des Kriegs deutlich verstärken könnten.

Besonders exponiert ist die Düngemittel- und Grundstoffchemie. Rund 20 Prozent des weltweiten Ammoniakhandels passieren die Straße von Hormus, beim Schwefel laufen nach VCI-Angaben etwa 50 Prozent des Seehandels durch die Meerenge. Schwefel und Schwefelsäure gelten als Schlüsselkomponenten für Düngemittel und zahlreiche chemische Produkte. Hinzu kommt Helium: Etwa 40 Prozent des weltweiten Angebots stammen aus Katar. Die Chipindustrie, die Elektronikbranche, die Halbleiterfertigung und Luft- und Raumfahrtunternehmen äußern laut Große Entrup bereits erhebliche Sorgen über die Versorgungssicherheit.

Der Konflikt im Nahen Osten trifft eine Branche, die schon zuvor unter strukturellem Gegenwind litt. Hohe Energiepreise, Überkapazitäten auf den Weltmärkten und eine schwache Industriekonjunktur in Europa haben die deutsche Chemie in den vergangenen Jahren belastet. Nach Verbandsangaben wurden in Europa innerhalb von vier Jahren rund zehn Prozent der chemischen Produktionskapazitäten stillgelegt. Viele Unternehmen reagierten mit harten Sparprogrammen, beim Branchenprimus BASF etwa sollen zwischen Ende 2023 und Ende 2025 rund 4.800 Stellen wegfallen. 2025 verzeichnete die Chemie- und Pharmabranche mit 478.000 Beschäftigten einen Umsatzrückgang um 1,4 Prozent auf 219,6 Milliarden Euro und kämpfte mit Nachfrageschwäche sowie preisgünstiger Konkurrenz aus China.

Die Kombination aus geopolitischen Risiken, volatilen Rohstoffpreisen und schwacher Nachfrage setzt die strategische Planung der Unternehmen zunehmend außer Kraft. „Strategische Planung ist immer weniger möglich. Stattdessen fahren die Unternehmen auf Sicht“, sagt Große Entrup. Je länger der Iran-Krieg andauere, desto stärker drohten sich die Effekte auf Preise, Versorgungssicherheit und Investitionsentscheidungen zu verstärken. Für viele Betriebe sei die Grenze der Belastbarkeit in Sicht, warnt der VCI – eine rasche Trendwende für die deutsche Chemie ist vorerst nicht in Sicht.

Bachem: Starkes Jahr 2025, vorsichtiger Ton beim Ausblick

14.03.2026


Bachem hat für das Geschäftsjahr 2025 robuste Zahlen vorgelegt und die durchschnittlichen Analystenschätzungen beim Umsatz wie beim Ergebnis übertroffen. Der Pharmazulieferer setzte 695,1 Millionen Franken um, ein Plus von 14,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr; in Lokalwährungen lag das Wachstum sogar bei 19,2 Prozent. Im ersten Halbjahr war das Unternehmen in Lokalwährungen noch um 34 Prozent gewachsen. Unter dem Strich erzielte Bachem einen Reingewinn von 148,8 Millionen Franken und damit knapp 24 Prozent mehr als 2024. Damit lag das Unternehmen rund 30 Millionen Franken über der Konsensschätzung.

Auch auf operativer Ebene legte Bachem zu. Der EBITDA stieg um 21,8 Prozent auf 214,7 Millionen Franken, die Marge verbesserte sich um 1,8 Prozentpunkte auf 30,9 Prozent. Darin enthalten ist allerdings ein positiver Sondereffekt von 16,1 Millionen Franken aus der Standortentwicklung im Sisslerfeld sowie dem Verkauf eines Gebäudes in den USA. Bereinigt lag die EBITDA-Marge bei 28,6 Prozent und damit ungefähr auf Höhe der Markterwartungen. Aktionäre sollen an der Entwicklung teilhaben: Die Divende soll von 0,85 auf 0,90 Franken je Aktie erhöht werden.

Für Gesprächsstoff sorgt der Ausblick. Unter der neuen CEO Anne-Kathrin Stoller rückt Bachem von der bisher kommunizierten Marke eines Umsatzes von mindestens 1 Milliarde Franken ab, die 2026 erreicht werden sollte. Im aktuellen Communiqué wird dieses Mittelfristziel nicht mehr explizit erwähnt. Stattdessen stellt das Unternehmen für das laufende Jahr ein Umsatzwachstum von 35 bis 45 Prozent in Aussicht, was einer Spanne von 938 Millionen bis 1,008 Milliarden Franken entspricht. Schafft Bachem den oberen Rand, wäre die bisherige Zielmarke zwar erreicht – die weniger pointierte Formulierung dürfte aber einige Investoren veranlassen, ihre Erwartungen zu justieren.

Operativ richtet Bachem die Organisation auf weiteres Wachstum aus. 2025 investierte der Konzern 332,6 Millionen Franken über alle Standorte hinweg; im laufenden Jahr sollen die Investitionen auf über 400 Millionen Franken steigen. Hintergrund sind unter anderem mehrere Grossaufträge von Herstellern der stark nachgefragten Medikamenten zur Gewichtsreduktion. Gleichzeitig treibt Bachem den Ausbau neuer Kapazitäten voran: Die erste Bauetappe des Gebäudes K wurde Ende 2025 von der Aufsichtsbehörde Swissmedic inspiziert und freigegeben. Das Unternehmen, das Peptid-basierte Wirkstoffe für Indikationen wie Krebs, Diabetes und Fettleibigkeit liefert und parallel ein Standbein im Bereich Oligonukleotide aufbaut, setzt damit klar auf steigende Nachfrage – auch wenn es bei der kommunikativen Zuspitzung seiner Umsatzziele zurückhaltender geworden ist.