Kulturwandel bei Raiffeisen: Technokrat Heeb und Private-Banking-Stratege Brenna im Duo

23.03.2026


Raiffeisen Schweiz stellt ihre Führungsspitze grundlegend neu auf. Der Verwaltungsrat hat den früheren CEO der Basler Kantonalbank (BKB), Basil Heeb, als neuen Verwaltungsratspräsidenten nominiert. Er soll an der Generalversammlung vom 19. Juni 2026 in Lugano die Nachfolge von Thomas A. Müller antreten, der nicht mehr zur Wiederwahl antritt. Die Wahl steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Finanzmarktaufsicht Finma. Mit dem Wechsel an der Spitze des Verwaltungsrats vollzieht die Genossenschaftsbank nach einer bereits vollzogenen CEO-Rochade einen weiteren Schritt in Richtung strategischer Neuaufstellung.

Heeb bringt ein ausgeprägt bankfachliches und strategisches Profil mit. Der 61-Jährige leitete von 2019 bis Anfang 2025 die BKB und war zuvor in leitenden Funktionen bei der Privatbank Notenstein La Roche sowie der Bank Wegelin tätig, wo er von 2009 bis 2012 die Basler Niederlassung in der Geschäftsleitung verantwortete. Seine Karriere begonnen hatte er bei der Unternehmensberatung McKinsey, was ihm intern den Ruf eines analytisch geprägten Technokraten eingebracht hat. Zudem sammelte er Erfahrung in der strategischen Aufsicht als Verwaltungsratspräsident der Bank Cler. Raiffeisen bezeichnet seinen unternehmerischen Weitblick und seine analytischen Fähigkeiten als entscheidend für die Weiterentwicklung der Gruppe.

Mit der Personalie Heeb unterstreicht Raiffeisen einen bereits eingeleiteten Kurswechsel. CEO Gabriel Brenna, der sein Amt im Dezember 2025 übernommen hat, gilt intern als Antipode zu seinem Vorgänger Heinz "Porsche" Huber, der Ende 2024 zurückgetreten war. Brenna, der zuvor die Liechtensteinische Landesbank (LLB) geführt hatte und weiterhin in Vaduz wohnhaft ist, pendelt für seine neue Rolle regelmässig nach St. Gallen und Zürich. Er verfolgt das Ziel, Raiffeisen im Inlandgeschäft als Konkurrenz zur UBS im Private Banking zu positionieren und die Gruppe von ihrem traditionellen Profil als Spar- und Hypothekenbank in Richtung Anlage- und Vermögensbank zu entwickeln.

Parallel zur Nominierung Heebs stärkt Raiffeisen den Verwaltungsrat gezielt mit zusätzlicher Wealth-Management- und Technologiekompetenz. Zur Wahl vorgeschlagen sind der frühere Banque-Syz-CEO und langjährige Pictet-Manager Yvan Gaillard, der Unternehmer Simon Gfeller sowie der in der Software-Branche tätige Philipp Kronenberg. Sie sollen die ausscheidenden Mitglieder Olivier Roussy, Thomas Rauber und Andrej Golob ersetzen. Damit entsteht an der Spitze von Raiffeisen eine weitgehend erneuerte Führungsmannschaft, die den angekündigten Kulturwandel und den Ausbau des Anlage- und Private-Banking-Geschäfts im genossenschaftlichen Verbund vorantreiben soll. Der Weg dorthin ist anspruchsvoll – die Erwartungen innerhalb der Gruppe an den "roten Riesen" sind entsprechend hoch.

Knappes Angebot, hohe Preise: BWO warnt vor verschärfter Wohnraumkrise

17.03.2026


Die Lage auf dem Schweizer Wohnungsmarkt bleibt angespannt und hat für Wohnungssuchende ein Niveau der Knappheit erreicht, das zuletzt 2014 verzeichnet wurde. Laut dem aktualisierten Monitor Wohnungsmarkt des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO) fällt es insbesondere Haushalten mit tiefer oder mittlerer Kaufkraft zunehmend schwer, bezahlbare Mietwohnungen zu finden. Während sinkende Zinsen die Mieten bestehender Verträge stabilisieren und die Nutzungskosten von Wohneigentum dämpfen, profitieren vor allem sesshafte Haushalte von dieser Entlastung – nicht jedoch jene, die neu auf Wohnungssuche sind.

Besonders deutlich zeigt sich die Verknappung des Angebots in urbanen Zentren und touristisch geprägten Bergregionen. Regionen wie Zürich, Genf, Luzern, Zug, St. Moritz, Chur sowie der Raum Interlaken–Zweisimmen werden vom BWO als besonders akut betroffen ausgewiesen. In diesen Märkten sind bezahlbare Angebote für Haushalte mit tiefer oder mittlerer Kaufkraft besonders rar, was den Konkurrenzdruck um die wenigen verfügbaren Objekte erhöht. Das BWO geht zudem davon aus, dass das Wachstum des Wohnungsbestands im laufenden Jahr 2026 erneut nicht mit der Nachfrage Schritt halten wird.

Auch beim Wohneigentum zeigen sich deutliche Grenzen der Erschwinglichkeit. Nach Einschätzung des BWO gilt ein Preis‑Einkommens‑Verhältnis von bis zu 6 zu 1 als grundsätzlich finanzierbar. Liegt der Kaufpreis deutlich über dem Sechsfachen des jährlichen Haushaltseinkommens, lässt sich das notwendige Eigenkapital meist nicht mehr in angemessener Zeit ansparen, und die Tragbarkeit gilt als nicht mehr gegeben. Ein Haushalt mit einem Bruttoeinkommen von 120'000 Franken sollte demnach ein Objekt im Wert von maximal 720'000 Franken erwerben, um innerhalb dieses Rahmens zu bleiben.

Für den unteren Mittelstand ist selbst diese Schwelle in vielen Regionen kaum noch erreichbar. Laut BWO sind die Preise für diese Gruppe nur noch in wenigen Landesteilen wirklich erschwinglich. Der Erwerb von Wohneigentum setzt dort eine längere Ansparzeit, ein hohes Mass an Durchhaltewillen und deutliche Kompromissbereitschaft voraus – sowohl beim Standort als auch bei der Ausstattung. Haushalte des oberen Mittelstands verfügen zwar über bessere Chancen, stossen jedoch in wirtschaftsstarken und teuren Regionen wie dem Genferseegebiet, Zürich und dem Baselbiet ebenfalls zunehmend an finanzielle Grenzen.

Während die Zinsentwicklung Bestandsmieter und Eigentümer tendenziell entlastet, zeichnet der Monitor Wohnungsmarkt für Wohnungssuchende und aufstiegsorientierte Mittelstandshaushalte ein deutlich weniger positives Bild. Ob sich die Situation in den kommenden Jahren entspannt oder weiter zuspitzt, hängt nach Einschätzung des BWO wesentlich von der Entwicklung der Haushaltszahlen ab. Solange der Zuwachs an Haushalten das Wachstum des Wohnungsbestands übersteigt, bleibt der Markt eng – mit spürbaren Konsequenzen für Erschwinglichkeit und Auswahl auf dem Schweizer Wohnungsmarkt.