Mit Additiv-Deal beschleunigt Temenos digitale Kundenprozesse im Wealth Management

10.06.2026


Der Genfer Bankensoftware-Anbieter Temenos übernimmt das Zürcher Fintech Additiv und stärkt damit sein Geschäft mit Lösungen für die digitale Vermögensverwaltung. Additiv entwickelt eine Plattform, die Prozesse, Daten und Anwendungen bei Banken, Vermögensverwaltern und Versicherungen in einer zentralen Orchestrierungsschicht bündelt. Institute nutzen die Technologie, um digitale Kundenprozesse über verschiedene Kanäle hinweg aufzubauen und zu steuern. Nach Abschluss der Transaktion wird Additiv unter seinem eigenen Namen als Teil der Temenos-Gruppe weitergeführt.

Temenos zielt mit der Akquisition insbesondere auf den Ausbau seines Angebots im Wealth Management. Im Fokus stehen hybride Vermögensverwaltungsmodelle für vermögende Privatkunden sowie zusätzliche Funktionen für das sogenannte Mass-Affluent-Segment, also Kundinnen und Kunden unterhalb des klassischen Private Banking. Die Additiv-Plattform soll künftig die bestehenden Front-End- und Beratungsangebote von Temenos ergänzen und Finanzinstituten helfen, neue Anlage- und Beratungsservices schneller auf den Markt zu bringen. Laut Temenos-CEO Takis Spiliopoulos stärkt der Zukauf das Wealth-Angebot in einem Markt mit stark wachsender Nachfrage.

Additiv betreut nach eigenen Angaben weltweit rund 30 Kunden aus den Bereichen Vermögensverwaltung, Banking und Versicherung. Das Fintech beschäftigt etwa 200 Mitarbeitende und verfügt neben dem Hauptsitz in Zürich über Standorte unter anderem in Singapur, Frankfurt, Dubai, London, Jakarta und Makati City auf den Philippinen. Die Implementierung der Plattform dauert laut Unternehmensangaben oft nur drei bis sechs Monate und damit deutlich weniger als bei vergleichbaren Lösungen. In den vergangenen drei Jahren legten die wiederkehrenden Umsätze im zweistelligen Prozentbereich zu; zudem verweist Additiv auf eine Kundenbindungsrate von 138 Prozent und einen Net-Promoter-Score von über 90 Punkten.

Für den langjährigen Grossaktionär Martin Ebner markiert der Verkauf den Ausstieg aus einer Beteiligung, die trotz wiederkehrenden Wachstums als anspruchsvoll galt. Ebner hielt direkt und indirekt rund 60 Prozent an Additiv und hatte sich parallel bei Temenos verstärkt, wo er seinen Anteil im Jahr 2024 auf rund 20 Prozent ausgebaut hat. Der Kaufpreis für Additiv wird von den Parteien nicht offengelegt. Damit bleibt offen, in welchem Umfang Ebner von der Integration des Zürcher Fintechs in den deutlich grösseren, börsenkotierten Bankensoftware-Spezialisten profitiert – und wie sich die Transaktion für die übrigen Temenos-Aktionäre auswirkt.

Höhere Energiepreise treiben Inflation – Anleger ziehen sich aus Aktien zurück

08.10.2026


Inflationssorgen und steigende Ölpreise haben Europas wichtigste Aktienmärkte zur Wochenmitte spürbar belastet und zugleich die Monatsbilanz eingetrübt. Der EuroStoxx 50 schloss am Mittwoch 0,81 Prozent tiefer bei 6269,02 Punkten. Im Monatsverlauf verlor der Leitindex der Eurozone 2,4 Prozent und beendete damit eine Serie von fünf Anstiegen in Folge. Der DAX gab um 0,79 Prozent auf 25.199,19 Punkte nach, während der britische FTSE moderat um rund ein Viertel Prozent auf gut 10.600 Zähler nachgab.

Treiber der Risikoaversion waren neue Inflationsdaten aus großen Euroländern. In Deutschland kletterten die Verbraucherpreise im September auf 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit erstmals seit Ende 2023 wieder über die Marke von drei Prozent, nachdem im August noch 2,9 Prozent verzeichnet worden waren. Starke Anstiege der Energiepreise wirkten als Hauptfaktor – eine Entwicklung, die sich nach ersten Angaben auch in Frankreich und Italien widerspiegelt. In Italien kam es zudem zu einem deutlichen Anstieg der Teuerung, was die Sorge nährte, dass der disinflationäre Trend im Euroraum ins Stocken geraten könnte.

Parallel dazu zogen die Ölpreise erneut an. Marktteilnehmer verwiesen auf die angespannte geopolitische Lage im Nahen Osten und mögliche Risiken für die Öllieferungen aus dem Persischen Golf. Berichte, wonach mehrere Tankschiffe in der Straße von Hormuz unter Beschuss geraten sein sollen, verstärkten die Nervosität. Höhere Energiekosten und im Umfeld der Inflationsdaten steigende Anleiherenditen machten Anleger nach Einschätzung von Marktstrategen europaweit selektiver. Ulrich Urbahn, Leiter Multi-Asset-Strategie und Research bei Berenberg, sieht dennoch Chancen für eine Jahresendrallye: Robuste Unternehmensgewinne könnten die Märkte stützen, sofern Firmen ihre Margen und Prognosen behaupten und sowohl Inflation als auch Renditen nicht weiter zulegen.

Im Branchenspektrum fehlten klare Impulse von den Technologiewerten, die nach Vortagesgewinnen überwiegend richtungslos tendierten. Viele Investoren warteten auf die anstehenden Quartalszahlen des US-Speicherchip-Herstellers Micron, die als Gradmesser gelten, ob der Boom rund um Künstliche Intelligenz weiterhin ausreichend im operativen Geschäft der Halbleiterbranche ankommt. Analyst Andreas Lipkow von CMC Markets warnte, eine Enttäuschung bei Micron könne die zuletzt gewachsene Skepsis gegenüber dem KI-Sektor rasch in neuen Verkaufsdruck umschlagen lassen. Einzelwerte wie BMW im DAX konnten sich diesem Umfeld zwar mit Kursgewinnen entziehen, insgesamt dominierte an den europäischen Börsen jedoch zum Monatsende die Vorsicht.