Rechnungshof kritisiert Risikomanagement der BIG beim Projekt Vienna Twentytwo

13.03.2026


Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) sieht sich nach einem gemeinsamen Großprojekt mit der Signa-Unternehmensgruppe mit deutlichen finanziellen Belastungen konfrontiert. Wie aus einem aktuellen Bericht des Rechnungshofs hervorgeht, haben sich die Errichtungskosten für das Immobilienprojekt Vienna Twentytwo im 22. Wiener Gemeindebezirk nahezu verdoppelt und liegen inzwischen bei rund 412 Millionen Euro. Die ursprünglich kalkulierte Rendite von 6,97 Prozent sank in der Folge laut Bericht auf nur noch 1,46 Prozent.

Vienna Twentytwo wurde von der BIG-Tochter Austrian Real Estate Development (ARE Development) gemeinsam mit der Signa-Tochter Forum Donaustadt Holding entwickelt. Für die Umsetzung des Vorhabens wurden 16 eigene Projektgesellschaften gegründet, an denen ARE jeweils 49 Prozent und Signa 51 Prozent hielt. Der Projektstart datiert auf das Jahr 2016, die Fertigstellung war für 2022 vorgesehen. Die Partnerschaft wurde jedoch von Unstimmigkeiten begleitet und schließlich im Jänner 2024 beendet.

Der Rechnungshof kritisiert insbesondere das Risikomanagement zu Beginn der Kooperation. Zwar lagen der ARE nach eigenen Angaben bereits 2016 Unterlagen vor, die Signa als wirtschaftlich und technisch fähigen Partner auswiesen, eine standardisierte Risikobeurteilung wurde jedoch nicht vorgenommen. Bei längerfristigen Geschäftsbeziehungen müsse diese „streng und umfassend“ ausfallen, heißt es in dem Bericht. Hintergrund ist die Gefahr, dass bei einer möglichen Insolvenz des privaten Partners das gesamte Projektrisiko auf den öffentlichen Partner übergehen kann.

Zu den wesentlichen Kostentreibern zählten laut Rechnungshof Verzögerungen bei der Bauzeit, Baupreissteigerungen sowie eine mangelhafte Planungs- und Ausschreibungsqualität, die die Finanzierungskosten in die Höhe trieben. Diese hätten sich in der Folge etwa verdoppelt. Die ARE verweist in ihrer Stellungnahme darauf, dass sie zwei Jahre nach Projektbeginn eine standardisierte Prüfung von Projektpartnern eingeführt habe. Mittlerweile sei dieses Verfahren weiter verschärft worden, unter anderem durch eine vertiefende Prüfung, um ähnliche Risiken bei künftigen Public-Private-Partnerships besser zu kontrollieren.

Machtwechsel bei Idorsia: Gründer Clozel übernimmt erneut das Ruder

17.03.2026


Beim Basler Biotech-Unternehmen Idorsia kommt es zu einem erneuten Bruch an der Spitze: CEO Srishti Gupta tritt nach nicht einmal einem Jahr im Amt mit sofortiger Wirkung zurück und scheidet zugleich aus dem Verwaltungsrat aus. Es ist der zweite Führungswechsel an der Unternehmensspitze innerhalb von gut neun Monaten. Gupta, die Ehefrau des Novartis-CEO Vas Narasimhan und seit 2021 Verwaltungsrätin bei Idorsia, hatte die Leitung des Unternehmens erst im vergangenen Juli übernommen, nachdem ihr Vorgänger André C. Muller überraschend abgesetzt worden war.

Die Mitteilung vom Montag spricht von einer einvernehmlichen Entscheidung zwischen Gupta und dem Verwaltungsrat, konkrete Gründe für den Abgang werden jedoch nicht genannt. In einer kurzen Stellungnahme betonte Gupta, es sei ihr eine grosse Ehre gewesen, Idorsia in einer wichtigen Phase zu führen, und sie sei stolz auf das gemeinsam Erreichte. Unter ihrer Führung konnte das Unternehmen unter anderem die Umsatzentwicklung mit dem Schlafmittel Quviviq ankurbeln, die Produktpipeline straffen und den Fokus auf aussichtsreiche Entwicklungsprojekte legen. Ihren erklärten Anspruch, Idorsia nach einer Serie von Rückschlägen dauerhaft auf Erfolgskurs zu bringen und als eigenständiges Unternehmen zu erhalten, konnte sie allerdings nur begrenzt einlösen.

Die Finanzmärkte reagierten prompt und empfindlich auf die Nachricht: In einer ersten Reaktion rutschte die Idorsia-Aktie um rund 20 Prozent auf deutlich unter 3 Franken ab. Für viele Anleger galt Gupta als Hoffnungsträgerin mit hoher Reputation, sowohl öffentlich als auch am Kapitalmarkt. Ein nicht namentlich genannter Investor, der mit erheblichem Kapitaleinsatz engagiert ist, äusserte gegenüber der Börsen-Zeitung die Einschätzung, Gupta habe die Erwartungen nicht erfüllt. Insbesondere sei es Idorsia bislang nicht gelungen, den Blutdrucksenker Tryvio (Aprocitentan), der als innovativ und besonders wirkungsvoll gilt, in einer Weise zu positionieren, die das Potenzial für das Unternehmen umfassend erschliesse.

Interimsweise übernimmt nun erneut Unternehmensgründer und Verwaltungsratspräsident Jean-Paul Clozel das operative Zepter. Clozel, der Idorsia gemeinsam mit seiner Ehefrau und Forschungschefin Martine aufgebaut hat und mit ihr zusammen über einen Aktienanteil von mehr als 20 Prozent verfügt, hatte das CEO-Amt vor zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen abgegeben. Er dankte Gupta für ihre "bedeutenden Beiträge" in einer entscheidenden Phase der Unternehmensentwicklung und hob ihr Engagement für die Mission von Idorsia hervor. Der Verwaltungsrat hat die Suche nach einer neuen Unternehmensspitze eingeleitet und will der Generalversammlung am 6. Mai unabhängige Kandidaten zur Wahl in den Verwaltungsrat vorschlagen. Bis dahin steht Idorsia vor der doppelten Herausforderung, das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen und die strategische Ausrichtung unter veränderter Führung zu präzisieren.