
Stadler Rail stellt seine Führungsspitze neu auf und vollzieht nach nur vier Jahren einen Wechsel im operativen Kommando. CEO Markus Bernsteiner gibt den Posten Ende Jahr ab. Er begründete seinen Schritt mit dem Wunsch, sich künftig stärker auf strategische Aufgaben in Verwaltungsräten zu konzentrieren. Gleichzeitig betonte er, er habe das Unternehmen erst dann verlassen wollen, wenn die Belastungen der vergangenen Jahre – darunter die Folgen der Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine sowie drei Überschwemmungskatastrophen – abgearbeitet seien. Nun sei eine "saubere Basis" geschaffen, das Fundament für eine höhere Profitabilität liege.
Nachfolger wird der bisherige Leiter der Division Zentraleuropa, Philipp Brunner. Der Manager, der seit sechzehn Jahren für den Schienenfahrzeughersteller tätig ist, soll Anfang 2027 die Konzernleitung von Bernsteiner übernehmen. Das Unternehmen stellt damit bereits den dritten CEO nach Langzeitchef Peter Spuhler an die Spitze. Spuhler, heute Verwaltungsratspräsident und Grossaktionär, gilt als treibende Kraft im Hintergrund und ist weiterhin mit hohem persönlichem Einsatz im Tagesgeschäft präsent.
Brunner steht für eine interne Lösung und für personelle Kontinuität: Der 42-Jährige hat sich im Konzern vor allem mit Einsätzen im Ausland profiliert. Nach seinem Einstieg 2010 wurde er zunächst als Projektleiter nach Indien entsandt, später baute er in Algerien einen Standort für die Wartung von S-Bahn-Zügen der Marke Stadler auf. Im dortigen Werk musste er nach Angaben aus dem Unternehmensumfeld zwischen zwei rivalisierenden Mitarbeitergruppen vermitteln. Ab 2012 verantwortete er in Minsk den Aufbau eines neuen Produktionsstandorts und blieb insgesamt zehn Jahre in Belarus. In den vergangenen fünf Jahren führte er von Warschau aus die Sparte Zentraleuropa und war damit auch für die Verkleinerung des Werks in Minsk zuständig, das zuvor zu einem wichtigen Exportstandort ausgebaut worden war.
Bernsteiner, der seit 27 Jahren im Unternehmen ist und im kommenden Jahr 60 Jahre alt wird, will seine umfangreiche Industrieerfahrung ab 2027 verstärkt in Aufsichtsgremien einbringen. Konkrete Mandate habe er zwar noch nicht, doch Gespräche dazu liefen bereits, erklärte er. Bis Ende Jahr liege sein Fokus auf einer geordneten Übergabe an Brunner. Über die Zusammenarbeit mit Spuhler äusserte er sich positiv: Trotz dessen dominanter Stellung im Unternehmen habe er als CEO die nötigen Freiräume erhalten, persönliche Animositäten oder Ego-Fragen hätten keine Rolle gespielt. Die anstehende Stabübergabe soll nun den Weg für eine jüngere Führungsgeneration ebnen, ohne den von Spuhler geprägten Kurs abrupt zu verändern.

Eine anonyme E-Mail an die US-Botschaft in Bern hat kurz vor dem Auftritt von US-Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos ein Ermittlungsverfahren der Schweizer Bundesanwaltschaft ausgelöst – und zur Festnahme einer WEF-Mitarbeiterin geführt. Inzwischen ist klar: Die gegen die IT-Expertin erhobenen Vorwürfe eines geplanten Attentats waren nicht zu belegen. Die Bundesanwaltschaft teilte mit, die in der Sache eröffneten Ermittlungen wegen strafbarer Vorbereitungshandlungen zu einem Mord seien eingestellt worden.
Die Warnmail war laut Medienberichten der Tamedia-Gruppe wenige Stunden vor Trumps Rede eingegangen. Der anonyme Absender schilderte in fehlerhaftem Englisch eine angeblich „dringliche Bedrohung“ für das Leben des US-Präsidenten in Davos und bezeichnete die später festgenommene Frau iranischer Herkunft als Agentin, die eine entsprechende Operation koordiniert habe. Die US-Botschaft leitete den Hinweis an die Schweizer Behörden weiter; diese erklärten, sie hätten die Warnung „sehr ernst“ genommen und seien „sofort aktiv“ geworden.
Tatsächlich arbeitete die Beschuldigte nicht am Tagungsort in Davos, sondern in der WEF-Zentrale im Genfer Vorort Cologny. Dort wurde sie nach Angaben der Bundesanwaltschaft festgenommen, mehrere Stunden lang bis tief in die Nacht vernommen und ihre Telefone sowie ihr Computer wurden beschlagnahmt und ausgewertet. Im Zuge dieser Maßnahmen habe sich jedoch gezeigt, dass sich keiner der in der anonymen E-Mail erhobenen Punkte erhärten ließ. Für alle Aspekte der Anschuldigungen seien keine Beweise gefunden worden, hieß es zur Begründung für die Einstellung des Verfahrens.
Die betroffene Mitarbeiterin, eine gebürtige Iranerin, war nach den Medienberichten kurz nach dem Vorfall beim WEF nicht mehr beschäftigt. Zu den Gründen äußerte sich die Organisation nicht; auf entsprechende Anfragen gab es zunächst keine Stellungnahme. Damit bleiben nach dem spektakulären Fehlalarm vorerst Fragen offen – etwa zur Herkunft und Glaubwürdigkeit des anonymen Hinweises –, während die Schweizer Strafverfolger den Fall strafrechtlich abgeschlossen haben.