Die Bewerbung Berlins um die Weltausstellung Expo 2035 steht vor einer entscheidenden Weichenstellung. Nachdem die geplante Kooperation mit Brandenburg ins Stocken geraten ist, drängt Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) auf einen eigenständigen Weg der Hauptstadt. "Wenn es mit Brandenburg nicht geht, dann darf Berlin diese Zukunftschance nicht verschenken, sondern muss einen eigenen Weg gehen und jetzt noch einmal neu denken", erklärte Giffey gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Diese Position findet Unterstützung bei Sebastian Stietzel, dem Chef der Berliner Industrie- und Handelskammer, der sich bereits in ähnlicher Richtung geäußert hatte.
Die ursprüngliche Idee einer gemeinsamen Bewerbung der Metropolregion Berlin-Brandenburg hat einen deutlichen Dämpfer erhalten. Der im Januar von Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU) vorgeschlagene Standort Schönefeld am BER, direkt an der Landesgrenze, stieß in Potsdam auf Ablehnung. Die neue rot-schwarze Landesregierung Brandenburgs zeigt bislang kein Interesse an dem Projekt und hat ihm im Koalitionsvertrag keine Priorität eingeräumt. Bemerkenswert ist, dass die Expo 2035 in dem 37-seitigen Dokument überhaupt nicht erwähnt wird, obwohl sich die Initiative eine gemeinsame Positionierung beider Länder bis März erhofft hatte.
Regierungschef Wegner selbst hatte lange Zeit eine Expo-Bewerbung abgelehnt, da er befürchtete, sie könnte Berlins Ambitionen auf die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 gefährden. Seine überraschende Kehrtwende Ende Januar, die den Standort Schönefeld ins Spiel brachte, fand in Brandenburg jedoch kein Gehör. Die politische Führung dort reagierte ablehnend und tat so, als hätten die von Wegner nahegelegten Gespräche nie stattgefunden. Diese Entwicklung belastet nicht nur die länderübergreifende Zusammenarbeit, sondern erhöht auch den Druck auf den Regierenden Bürgermeister, der von SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach bereits für sein "Hin und Her" kritisiert wurde.
Unternehmer Daniel-Jan Girl, Vorstandsvorsitzender von Global Goals für Berlin und Mitgründer des Vereins für eine Expo-Bewerbung, betreibt weiterhin Lobbyarbeit für das Projekt. Er sieht in der Weltausstellung eine "Chance, die Metropolregion zukunftsfest zu machen" und eine enorme Sichtbarkeit für den lokalen Mittelstand. Sein Konzept umfasst eine Sonderwirtschaftszone mit beschleunigten Genehmigungsverfahren für Bau- und Modernisierungsvorhaben, die im Geiste der Expo stehen sollen. Während die Kampagne mit Werbeplakaten in der Stadt auf vollen Touren läuft, um Begeisterung bei der Bevölkerung zu wecken, bleibt die politische Unterstützung fragil. Die anstehende Regierungsumbildung in Brandenburg, bei der Wirtschaftsminister Daniel Keller (SPD) ins Finanzministerium wechselt und die CDU das Wirtschaftsressort übernimmt, verzögert weitere Gespräche voraussichtlich um mindestens anderthalb Wochen.

Beim Basler Biotech-Unternehmen Idorsia kommt es zu einem erneuten Bruch an der Spitze: CEO Srishti Gupta tritt nach nicht einmal einem Jahr im Amt mit sofortiger Wirkung zurück und scheidet zugleich aus dem Verwaltungsrat aus. Es ist der zweite Führungswechsel an der Unternehmensspitze innerhalb von gut neun Monaten. Gupta, die Ehefrau des Novartis-CEO Vas Narasimhan und seit 2021 Verwaltungsrätin bei Idorsia, hatte die Leitung des Unternehmens erst im vergangenen Juli übernommen, nachdem ihr Vorgänger André C. Muller überraschend abgesetzt worden war.
Die Mitteilung vom Montag spricht von einer einvernehmlichen Entscheidung zwischen Gupta und dem Verwaltungsrat, konkrete Gründe für den Abgang werden jedoch nicht genannt. In einer kurzen Stellungnahme betonte Gupta, es sei ihr eine grosse Ehre gewesen, Idorsia in einer wichtigen Phase zu führen, und sie sei stolz auf das gemeinsam Erreichte. Unter ihrer Führung konnte das Unternehmen unter anderem die Umsatzentwicklung mit dem Schlafmittel Quviviq ankurbeln, die Produktpipeline straffen und den Fokus auf aussichtsreiche Entwicklungsprojekte legen. Ihren erklärten Anspruch, Idorsia nach einer Serie von Rückschlägen dauerhaft auf Erfolgskurs zu bringen und als eigenständiges Unternehmen zu erhalten, konnte sie allerdings nur begrenzt einlösen.
Die Finanzmärkte reagierten prompt und empfindlich auf die Nachricht: In einer ersten Reaktion rutschte die Idorsia-Aktie um rund 20 Prozent auf deutlich unter 3 Franken ab. Für viele Anleger galt Gupta als Hoffnungsträgerin mit hoher Reputation, sowohl öffentlich als auch am Kapitalmarkt. Ein nicht namentlich genannter Investor, der mit erheblichem Kapitaleinsatz engagiert ist, äusserte gegenüber der Börsen-Zeitung die Einschätzung, Gupta habe die Erwartungen nicht erfüllt. Insbesondere sei es Idorsia bislang nicht gelungen, den Blutdrucksenker Tryvio (Aprocitentan), der als innovativ und besonders wirkungsvoll gilt, in einer Weise zu positionieren, die das Potenzial für das Unternehmen umfassend erschliesse.
Interimsweise übernimmt nun erneut Unternehmensgründer und Verwaltungsratspräsident Jean-Paul Clozel das operative Zepter. Clozel, der Idorsia gemeinsam mit seiner Ehefrau und Forschungschefin Martine aufgebaut hat und mit ihr zusammen über einen Aktienanteil von mehr als 20 Prozent verfügt, hatte das CEO-Amt vor zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen abgegeben. Er dankte Gupta für ihre "bedeutenden Beiträge" in einer entscheidenden Phase der Unternehmensentwicklung und hob ihr Engagement für die Mission von Idorsia hervor. Der Verwaltungsrat hat die Suche nach einer neuen Unternehmensspitze eingeleitet und will der Generalversammlung am 6. Mai unabhängige Kandidaten zur Wahl in den Verwaltungsrat vorschlagen. Bis dahin steht Idorsia vor der doppelten Herausforderung, das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen und die strategische Ausrichtung unter veränderter Führung zu präzisieren.